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ISM-Jahresrückblick 2020

Das Jahr 2020 hat zweifellos Börsen-Geschichte geschrieben. Nicht nur als “Jahr der Pandemie”, sondern auch als das Jahr, welches den schnellsten Crash aller Zeiten an der Börse verzeichnen konnte. Sicherlich wird es zukünftig in einem Atemzug mit dem Jahr 1929, 1987, 2000 und 2008 genannt werden. In diesen Jahren verzeichneten die Aktienmärkte die größten Abwärts- und Crash Bewegungen. Beispiellos war auch in 2020 der Ölpreis, welcher im April im negativen Bereich abgerechnet wurde. Gold hingegen glänzte im Sommer durch neue Rekorde ebenso wie der Bitcoin, welcher (wieder) Dank seiner extremen Rally in die Schlagzeilen kam. Ein Jahr der Extreme und ein Jahr, welches unterstreicht, wie wichtig die Notenbanken sind

Das Jahr begann bereits durch die Spannungen im Iran Konflikt und der Tötung eines ranghohen iranischen Generals durch eine US-Drohne recht ruppig und mit fallenden Notierungen. Dies wurde seitens der Marktteilnehmer relativ schnell ausgeblendet und alle Indizes machten sich auf den Weg zu neuen Höhen. Ende Februar standen die Märkte an – beziehungsweise kurz von – den von uns im Ausblick für 2020 avisierten Kurszielen und somit bei neuen Allzeithochs. 

Bereits um Weihnachten 2019 und Anfang 2020 wurde über einen neuen Virus, welcher in China ausgebrochen war und die Stadt Wuhan in Quarantäne verfrachtete, berichtet. Zu diesem Zeitpunkt konnten sich nur die Wenigsten vorstellen, dass dies enorme Auswirkungen auf die Märkte haben wird. Anfang Februar erreichte der Virus mit dem Namen COVID 19 beziehungsweise CORONA den europäischen Kontinent. Stark betroffen war zunächst die Region um Norditalien sowie Teile Österreichs. Die Börsen zogen in dieser Zeit weiter an, getrieben durch eine Einigung im Handelsstreit zwischen den USA und China, sowie guter Quartalsberichte. 

Ende Februar war COVID 19 so stark ausgebrochen, dass nicht mehr von einer Epidemie sondern einer Pandemie gesprochen wurde. Das Unheil an den Börsen nahm 24.02.2020 seinen Lauf nachdem erste Flugverbote, Einreisesperren sowie Grenzschließungen seitens der EU sowie der USA verkündet wurden. Die Märkte und der DAX fielen daraufhin dynamisch. In der ersten Woche um -13%. In der zweiten Woche um “nur” -3% um dann in extreme Panik zu verfallen nachdem immer mehr Länder Lockdowns und zeitweise Stilllegung des öffentlichen Lebens und der Wirtschaft anordneten. In den folgenden 14 Tagen fiel der DAX in der Spitze um weitere -28% was in Summe eine Abwärtsbewegung von -40%, gemessen vom Allzeithoch, welches kurz vorher markiert wurde, darstellte.

Es herrschte eine nie vorher gesehene Panik und Angst. Kursschwankungen von 15% bis 20% am Tag (!) in einzelnen Aktien war der Beweis für die extreme Nervosität. Alles was zu Geld gemacht werden konnte wurde verkauft. Bezeichnend dafür ist die Entwicklung der jeweiligen Anlageklassen (Aktien, Gold, Anleihen, Öl) welche ALLE in diesem Zeitraum fielen. Es waren schlichtweg auch keine Käufer am Markt, da quasi eine Art “Käuferstreik” durch die unsichere Situation vorlag. Die Notenbanken und Regierungen schnürten in dieser Zeit Hilfspakete um den totalen Zusammenbruch zu vermeiden. 

Rückblickend betrachtet mit Erfolg. Vor allem das extreme Agieren der FED und der EZB sowie der anderen Notenbanken aus Japan, China und England waren letztendlich der Grund, dass uns nicht alles um die Ohren flog. 

Im Frühling erholten sich die Kurse vom Schock und starteten eine deutliche Erholung. Diese war von Skepsis geprägt, da eine zweite Infektionswelle sowie eine zweite Abwärtsbewegung an den Börsen erwartet wurde. Ein Impfstoff lies weiter auf sich warten und die Märkte versteiften sich auf eine Seitwärtsbewegung, welche sich von Juni bis Ende Oktober hinzog. 

Nach einem kurzen Schockmoment durch steigende Infektionszahlen und fallende Börsen, stand die Wahl des US-Präsidenten vor der Tür. Joe Biden gewann die Wahl und die Indizes freundeten sich schnell mit dem Ergebnis an, um dann wenige Tage später die von allen ersehnte Nachricht zu erhalten, dass ein Impfstoff von verschiedenen Firmen entwickelt wurde. Der Start der Jahresendrally hatte begonnen. 

Durch die extremen Ereignisse im März bleibt das Jahr 2020 also in jedermanns Gedächtnis als Jahr des Crashs, der V-Erholung und der Erkenntnis, dass Emotionen (Panik und alles verkaufen sowie Angst zu kaufen) an der Börse ein schlechter Ratgeber sind, da selbst in diesem Jahr die meisten Indizes ein Plus (inklusive neuer Allzeithochs) ausweisen können. 

Konkret hatten die Indizes in 2020 per 30.12. folgende Wertentwicklung:  

+3,5%    DAX
– 4,6%    EUROSTOXX50
+6,5%    DOW JONES
+15,5%  S&P500
+47%     NASDAQ
+5,2%    MSCI WORLD in EUR
+24%     GOLD in USD
-21%      ÖL (WTI)
+9,3%    EUR/USD

Der NASDAQ, mit den großen Technologiewerten, kann also als klarer Gewinner in diesem Jahr ausgemacht werden. In einer Zeit, in der vor allem das soziale Leben abgeschnitten wird und Technologie eine enorme Rolle spielt, ist es wenig verwunderlich, dass gerade die Tech-Firmen profitieren. 

Fazit: 2020 war bewegend, tragisch aber auch erfolgreich wenn man die nötige Ruhe und Gelassenheit an den Tag legte. Es unterstreicht, dass selbst extreme kurzfristige Bewegungen, für einen Anleger mit langfristigem Anlagehorizont am Ende kaum Auswirkungen an den Tag legt. Ebenso beweist es, dass “Weltuntergangsszenarien” völlig unangebracht sind, solange die Notenbanken mit enormer Liquidität bereit stehen und man auf qualitativ hochwertige Unternehmen setzt.

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