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Massaker am Ölmarkt sorgt für Unruhe

Wie verrückt die Börsenwelt spielen kann, konnte man eindrucksvoll in dieser Woche am Ölmarkt sehen. Nachdem man sich bereits in der Vergangenheit nicht vorstellen konnte, dass Zinsen auf Staatsanleihen negativ sein können (spätestens seit einigen Jahren ist es Normalität), wurde erstmals ein Terminkontrakt (Future) auf den Ölpreis mit -40 USD gehandelt. Der 20. April 2020 geht also in die Geschichte ein. 

Als Anleger und Konsument fragt man sich nun, warum man beispielsweise diesen Preisverfall an der Tankstelle nicht spürte. Der Grund liegt hier am Pricing und dem Handel von Öl. Da es am Ölmarkt  verschiedene Terminkontrakte gibt, muss man als Anleger immer die Preise der zukünftigen Futures im Blick haben. Der Preis für die kommenden drei Monate liegt beispielsweise noch immer zwischen 17 USD und 20 USD. Somit nimmt das Ganze eine andere Relation an, wenn man die Tatsachen ins rechte Licht rückt.

Nichts desto trotz hat es den Ölpreis (WTI sowie BRENT) in dieser Woche aufgrund von enormen Lagerbeständen massakriert. Trotz der beschlossenen Förderkürzung vor 14 Tagen seitens der OPEC, sind die Ölreserven aufgrund des weltweiten Lockdowns so prall gefüllt, dass Unternehmen und Staaten das Öl nicht mehr lagern können. Zusätzlich liegen vor der Küste Kaliforniens Öltanker mit 20 Millionen Barrel (159 l) Öl auf See, was etwa 10% des globalen Bedarfs ausmachen. Wie man sieht, herrscht ein enormes Überangebot des “schwarzen Goldes” vor. 

Einfach gesprochen: hohes Angebot und extrem niedrige Nachfrage, bescheren einen extrem niedrigen Preis. 

Am Aktienmarkt sorgte der Ölpreisverfall dafür, dass keine Kauflaune aufkam. Investoren zeigten sich zurückhaltend da deutlich wird, dass eine Rezession hochwahrscheinlich ist. Zahlen diverser Einkaufsmanagerindizes aus Übersee sowie hierzulande der ifo-Index, welcher auf ein Rekordtief fiel, bestätigen das negative Stimmungsbild. 

Die in den USA und Deutschland gestartete Berichtssaison war von Licht und Schatten geprägt. Viele Unternehmen landeten mit ihren Ergebnissen über den Erwartungen, mussten aber aufgrund der Corona Pandemie den Ausblick senken oder verzichteten gar komplett auf eine Guidance. Wie weit die Rezessionsängste und negativen Folgen für die Unternehmen in den Kursen eingepreist sind, wird sich die kommenden Wochen und Monate herausstellen. 

Der große Gewinner in dieser Woche war, aufgrund der o.g. Rezessionsängste, der “sichere Hafen” Gold. In EURO gerechnet, markierte der Goldpreis am Freitag ein neues Allzeithoch.

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