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Warum an der Börse der Zeitraum wichtiger ist als der Zeitpunkt

Mit dem neuen Jahr beginnt, beziehungsweise endet (je nach Sichtweise), ein Jahrzehnt. Wir haben dies zum Anlass genommen, zurück zu blicken; allerdings nicht wie so oft, auf das letzte Jahr, sondern auf die letzten Jahrzehnte.

3 Jahrzente DAX 1990 - 2020
Der Dax über 30 Jahre gesehen.

Unser Rückblick beginnt im Jahr 1990. Der DAX hat gerade den “Schwarzen Montag” hinter sich und notiert bei etwa 1.800 Punkten (kein Tippfehler). Die 90er begannen allerdings aufgrund des Golfkriegs und des Jugoslawien-Kriegs, alles andere als positiv, so dass es den Index um weitere 25% nach unten drückte. 

Von da an begann eine enorme Rally welche den Index (mit kurzer Unterbrechung) innerhalb von 10 Jahren auf 6.800 Punkte steigen ließ. Innerhalb von 10 Jahren, hatte der Anleger mit einem Investment im DAX einen Kursgewinn von über 280%.

Anschließend brach nicht nur ein neues Jahr oder Jahrzehnt an, sondern ein neues Jahrtausend. Man muss sich es mal bewusst machen, dass so ein Ereignis nur Wenige in der Geschichte der Menschheit miterleben durften. 

Im Jahr 2000 brach das Zeitalter des Internets an. Viele Unternehmen, die im Bereich IT tätig waren, wurden so gehyped, dass gerade frisch gegründete Unternehmen einen angeblich 10 fachen Marktwert wie beispielsweise eine Coca-Cola Aktie hatten. Die Börse feierte eine Party  als gäbe es kein Morgen, ehe im März 2000 die Dotcom-Blase platzte. 

Viele (vor allem neue) Anleger, die vorher nie mit Aktien zu tun hatten und nicht mal wussten in was sie investieren, bekamen kalte Füße und verkauften zu jedem Preis. Auch die Politik von damals trägt eine gewisse Mitschuld. Fehlende Aufklärung im Anlegerschutz (Deutschland hat heute einen der besten der Welt) und Werbung im TV für die “Volksaktie” der Deutschen Telekom, ließen die Menschen Sparbücher auflösen und in die damals „todsicheren“ Aktien investieren. Der Terroranschlag vom 11.09.2001 gab dem Markt quasi den Rest und der DAX fiel von seinem Hoch im Jahr 2000 bis 2003 im Tief um 75%! Das war indirekt der Todesstoß für die Aktienkultur in Deutschland, welche sich (leider) bis heute hält. “Aktien sind Gezocke”, “Aktien sind nur was für Reiche” sind die Floskeln von deutschen Anlegern, welche damals aufgrund des Hypes viel Geld verloren haben.

So schnell der Markt jedoch in 3 Jahren gefallen ist, so schnell erholte er sich wieder. Genau 4 Jahre hat der DAX gebraucht um alle Verluste zu egalisieren und ein neues Rekordhoch zu markieren. 2008 dann, kam der “schwarze Schwan” Namens Lehman-Brothers deren Pleite die Finanzwelt am Rande eines Kollaps brachte. Ergo, wurden die Aktien abverkauft. Jeder wollte sein Geld in Sicherheit bringen. Die Konsequenz daraus, dass der Markt innerhalb von Monaten massiv an Wert verlor. 2009 fand der Abverkauf seinen finalen Tiefpunkt. Anleger, welche 2000 investiert und nicht die Nerven verloren hatten beim Platzen der Blase hatten zwar zum Ende des Jahrzehnts einen Verlust von 14%, im Vergleich zu den zwischenzeitlichen 75% ein Bruchteil.

2010 erholte man sich noch von dem Schock und bereits kurz danach konnte man die Nachwirkungen der Bankenpleiten spüren. Griechenland stand kurz vor der Pleite und der Ende des EURO wurde ausgerufen. Zwischenzeitlich gab es in Japan mit dem Unglück des Atomkraftwerks in Fukushima Befürchtungen eines Weltuntergangs. Die Börsen reagierten zwar nervös, durch die extreme Geldpolitik der Notenbanken wurden heftige, kurzfristige Rücksetzer aufgefangen. Auch der BREXIT konnte hier nur wenig Schaden anrichten. Ebenso wenig wie ein Präsident Donald Trump. Im Vorfeld hatte man Panik, dieser könnte die Welt in einen dritten Weltkrieg stürzen. Nichts davon ist passiert, die Aktienmärkte stiegen bis Ende 2019 weiter und markierten Rekorde. Seit 2010, stieg der DAX um 120%.

Aus der Geschichte kann man folgendes festhalten: 

Weder regionale Kriege, Terroranschläge, politische Krisen oder auch Bankpleiten konnten dem Aktienmarkt langfristig etwas anhaben. Selbst der Anleger, der immer zu den Hochpunkten eingestiegen ist (siehe Kringel im Chart), hatte nach einer entsprechenden Laufzeit immer einen Gewinn! Schließlich ist es höchst unwahrscheinlich, dass alle Aktien aus einem Index pleite gehen. Grundsätzlich wird nur derjenige Erfolg an der Börse haben, der auch die Nerven hat, starke Kursverluste auszusitzen

Kostolany brachte dies auf den Punkt mit der Aussage: “An der Börse ist 2+2 niemals 4 sondern 5-1. Die Kunst ist, das -1 zu ertragen”.

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